
Es war alles gut geplant und auch der Wetterbericht stimmte positiv. Dann allerdings trudelten die ersten Meldungen über Schauer in der Alpengegend ein. Wie gut, dass wir genau da hin wollten. Es stand eine Bergwanderung im Berchtesgadener Land an. Die elektronische Wegfindungstusse hatte das Ziel berechnet und sorgte in gewohnt herrischem Ton dafür, dass ich mich auch an die klaren Anweisungen hielt.
Dann allerdings kam es zu einem Eklat. Die Route führte kurz auf Almdudler-Terrain um dieses an der nächsten Ausfahrt wieder zu verlassen. Natürlich habe ich die Hinweise auf Mautpflicht gesehen. Natürlich war mir bewusst, dass ich wieder an einer Erwerbsmöglichkeit vorbeigefahren war. Und natürlich war mir auch die letzte Möglichkeit zum Kauf nicht entgangen, aber ich entschloss mich dem Motto “Des passt scho” zu folgen. Funktionierte 1A! Direkt an der Ausfahrt wurden wir kontrolliert und meine Ignoranz machte mit einem einfachen Durchziehen der EC-Karte durch ein Lesegerät im mobilen Einsatzfahrzeug der österreichischen Polizei aus 4,95 € schlappe 120 €.
Da ich jetzt Franzosen wieder mag, hege ich nun einen Groll gegen Ösis.
So langsam verstehe ich die Kriegsherren der verschiedenen Epochen. Es muss anscheinend immer ein Feindbild geben. Das ich es letztendlich selbst schuld war, tut hier absolut nichts zur Sache. Es sind grundsätzlich immer die Anderen schuld!
Seltsamerweise blieb ich relativ gelassen und ignorierte auch den langsam einsetzenden Regen, der auf der Weiterfahrt gegen die Windschutzscheibe prasselte.
So erreichten wir die Jennerbahn am Königssee. Laut der Dame am Schalter prognostizierte der lokale Wetterdienst andauernde Inkontinenz von Petrus. Nicht gerade sehr erbauliche Aussichten. Just in diesem Moment erinnerte ich mich wieder an diverse Situationen in denen ich durch schlichte Stoßgebete nach oben eine Wetteränderung herbeiführen konnte. Meist mit negativen Auswirkungen für mich. So richtete ich erneut meinen Blick nach oben und bat nach der großzügigen Opfergabe von 120 Euronen um Sonnenschein. Half nicht wirklich. Dennoch stiegen wir mit regenfester Kleidung in die Bergbahn. “H2O sieht mit zunehmender Höhe ja gleich viel interessanter aus”, grummelte ich so in mich hinein. Innerlich enttäuscht über meinen offensichtlich verlorenen Draht zu höheren Sphären, traten wir schließlich aus der Mittelstation der Bergbahn.
Was war denn das? Der Regen hatte aufgehört. Auch konnte man plötzlich die umliegenden Berge besser erkennen. Die Hoffnung keimte auf, dass eine höhere Macht vielleicht gerade damit beschäftigt war eine Froschplage über Ströme, Kanäle, Sümpfe und Red-Bull-Produktionsanalagen zu entsenden. Der Anrufbeantworter funktionierte anscheinend und jetzt setzte ein massiver Wetterumschwung ein. Die Wolken verzogen sich und gaben Stück für Stück den blauen Himmel frei.
Nun wollte ich es wirklich wissen und schickte folgenden Satz hinterher: “Ob es wohl noch möglich wäre den Wind ein wenig abflauen zu lassen?”. Okay, insgeheim hatte ich befürchtet gleich von einer Bergspitze erschlagen zu werden aber nach ein paar Minuten ließ auch dieser nach. Ich spinne hier wirklich nicht herum. Es ist genau so passiert, ich habe Zeugen!
Bevor jetzt aber für die nächsten Reisen das Wetter bei mir gebucht wird sei gesagt, es ist alleine meinem etwas abstrusen Verhältnis zu dem Wetterbeauftragten geschuldet.
Es wurde immer wärmer und schließlich wanderten wir unter strahlender Sonne durch die Berge. Einen kurzen Moment hielt ich inne, blickte nach oben und schickte ein von herzen kommendes “Danke” nach oben. Offensichtlich wurde es gewürdigt, denn die Witterung hielt bis zur Rückkehr an unserem Mietwagen an. So verbrachten wir also einen wunderschönen Tag mit eindrucksvollen Panoramen, frischester Luft und Natur pur. Hartnäckigkeit zahlt sich halt doch aus. (Ein paar der Fotos werden sicherlich den Weg in die Galerie finden. Nein, nicht bei Facebook sondern auf meinem Blog)
Krönender Abschluss bildete noch ein sehr guter Gamsbraten, Käsespatzen und eine Tour über die Alpenstraße. Schade dass man als Fahrer nicht überall hingucken kann. Der plötzliche Ausstieg aus der Atomenergie verhindert natürlich die Möglichkeit von Mutationen die uns zusätzliche Augen(-paare) bescheren könnten. Man kann halt nicht alles haben.
Trotz dem etwas holprigen Start also ein toller Tag mit schönen Wendungen.
PS:
Ich werde vielleicht doch von der Froschplage absehen.
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